DiensTalk: DIE AKTE KAMPUSCH
Die anhaltende Aktualität des Falles Kampusch und die Tatsache, dass sich auch der Nationalrat mit dem Thema befasst, mache diesen auch zu einem Thema für politische Parteien, leitete LGF Mag. Bernhard Rinner einen hochkarätig besetzten DiensTalk ein. Die Diskussionsrunde setzte sich aus NRAbg. MBA Werner Amon (der ÖVP-Klubobmannstellvertreter ist Vorsitzender des Kampusch-Untersuchungsausschusses), Dr. Thomas Mühlbacher , Leiter der Staatsanwaltschaft Graz, Mag. Christian Pilnacek , Leiter der Strafrechtsektion im Justizministerium, und Dr. Johann Rzeszut , ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes, zusammen. Es moderierte Ronald Barazon.
Laut einer von der ÖVP durchgeführten Online-Umfrage sprachen sich 50% der Befragten für weitere Ermittlungen in dieser Causa aus, 27% meinten man solle den Fall endlich ruhen lassen. Ähnlich gespalten war auch die Meinung unter den Diskutanten am Podium.
Johann Rzeszut, Mitglied der Evaluierungskommission im Fall Kampusch, verwies auf die Möglichkeit, dass die Entführung von zwei Tätern ausgeführt worden sein könnte. Dies sei von einer Zeugin mehrfach ausgesagt worden. Rzeszut kritisierte, dass eben diese Zeugenaussage nicht ausreichend gewürdigt worden sei und schloss nicht aus, dass es von Seiten der Staatsanwaltschaft Fehlleistungen gegeben habe. Eine Schilderung, der Dr. Thomas Mühlbacher von der Staatsanwaltschaft heftig widersprach. Die Zeugenaussage sei, wie alle Hinweise, mehrfach überprüft worden. Es habe sich herausgestellt, dass die Zeugin sich geirrt habe, für eine Theorie eines zweiten Täters gebe es keinerlei Anhaltspunkte, stellt Mühlbacher fest. „Der Fall Kampusch wurde von den Behörden dreimal geprüft. Man kann nicht einfach sagen: Ich ignoriere das Ergebnis, weil es mir nicht gefällt.“
Der Vorsitzende des „Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses im Parlament“, NRAbg. Werner Amon, wollte über die Ergebnisse der parlamentarischen Beratungen zum Fall Kampusch noch nichts sagen. Möglich seien laut Amon aber ein eigener Untersuchungsausschuss, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft oder eine weitere Evaluierung des Falles und der Ermittlungen. „Es gibt eine Fülle von Denkvarianten, aber es wäre derzeit verfrüht sich auf eine festzulegen“, so Amon, der für Ende März einen Abschlussbericht des Ausschusses in Aussicht stellte.
Spätestens dann wird eine Entscheidung darüber fallen, ob der Fall Kampusch neu aufgerollt oder endgültig abgeschlossen wird.
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