(UN)SINN FASTEN Zeitgeist oder spiritueller Trend?
Laut einer Online-Umfrage der Steirischen Volkspartei setzt die Hälfte der Menschen den Begriff des Fastens mit Gewichtsreduktion gleich. Für 25% der Befragten hat Fasten keine Bedeutung, für 28% ist Fasten ein spirituelles Erlebnis. Mit diesen Umfrageergebnissen leitete Bernhard Rinner den vorösterlichen DiensTalk ein. Podiumsgäste waren der „singende Pfarrer“ von Unterlamm Franz Brei, Starkoch Willi Haider, Ernährungsmediziner Prof. Dr. Manfred Lindschinger und Ernährungstherapeutin Sasha Walleczek.
„Fasten hat viele Gesichter. Man darf nicht nur den Körper sehen, denn Fasten hat vor allem etwas mit der Seele zu tun. Dazu gehören auch Gebete und Almosen. Man darf den Menschen aber nichts aufzwingen, Fasten sollte aus einer religiösen Überzeugung heraus geschehen“, interpretierte Brei diese „Vorbreitung auf Ostern“.
Für Willi Haider bedeutet Fasten eine gewisse Einschränkung und Reduktion, die durchaus vernünftig sein könne. Den Begriff des Fastens vermeidet Haider aber gerne. „Vom Fastenjoghurt, über das Fastenbrot – der Begriff Fasten wird heute viel zu stark kommerzialisiert. Auch muss eine Einschränkung oder Reduktion beim Essen oder Trinken ja nicht zwangsweise vor Ostern passieren. Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt und selber mag.“
Lindschinger wies auf gesundheitliche Risiken hin. „Manche Leute bringen sich mit derartigen Kuren in lebensgefährliche Situationen. Als innere Disziplinierung ist dem Fasten aber durchaus etwas abzugewinnen.“ Die Chance, durch falsches Fasten sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren liege jedoch lediglich bei 3 – 5%, so Lindschinger. „Wer zunehmen will, muss nur falsch abnehmen.“
Mit Gewichtsreduktion habe Fasten nichts zu tun, auch wenn dies von Medien eingetrichtert werde, ortete Walleczek eine Falle. „Wenn man die selbst auferlegten 40 Tage Fasten nicht schafft, führt das oft zum Frustessen und dann zum gegenteiligen Effekt der gewünschten Gewichtsreduktion. Fasten hat also mit gesunder Ernährung nichts zu tun.“ Problematisch am Begriff des Fastens sei laut Walleczek vor allem, dass es den Begriff des Essens negativ besetzt. „Wer fasten will und dann doch isst, sündigt. Wir sollten den Umgang mit Essen aber nicht als Sünde sehen. Vielmehr sollten wir uns gesund ernähren und uns ab und zu belohnen, anstatt zu sündigen“, schlägt die bekannte Ernährungsexpertin eine andere Sichtweise vor. „Fasten kann wunderbar sein, wenn es einen spirituellen Hintergrund hat. Mit richtiger Ernährung oder dauerhafter Gewichtsreduktion hat es aber nichts zu tun“, fasst Walleczek die Quintessenz der Diskussion zusammen.
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