Sterben muss erlaubt sein
Sieben steirische Pflegeheime wurden nach einem umfangreichen Qualitätsentwicklungsprozess „Hospizpflege im Heim“ mit einer Urkunde ausgezeichnet. Sie bescheinigt diesen Heimen, die unterschiedlichen Trägern angehören, eine ganzheitliche Qualifizierung im Umgang und in der Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen. Ein Ziel ist es, den „Sterbetourismus“ – Pflegeheimbewohner/-innen werden ohne Aussicht auf medizinisch wirksame Hilfe wenige Tage oder Stunden vor ihrem Tod in ein Spital überstellt – hintanzuhalten. Viel mehr ist es wichtig, im Pflegeheim für die letzte Lebensphase einen adäquaten Umgang mit den Sterbenden zu kultivieren. Die Urkunden, die den Heimen und ihren Mitarbeiter/-innen diesen qualitätsvollen Umgang mit Sterbenden bescheinigen, wurden von Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder und dem Obmann des Hospizvereins Steiermark, Karl Harnoncourt, übergeben.
Die gute Versorgung von alten Menschen gehört zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Viele Bewohner/-innen von Pflegeheimen leiden an mehreren unheilbaren, chronisch fortschreitenden Krankheiten, die in Phasen der Verschlechterung verlaufen. Der Anteil an Demenzerkrankungen ist sehr hoch.
In den Pflegeheimen bedarf es eines extern moderierten Prozesses von Experten/-innen aus dem Bereich Hospiz und Palliative Care, der sowohl die Betreuungsebene wie die Leitungsebene umfasst und auch die externen Partner/-innen wie Hausärzte/-innen und Seelsorger/-innen mit einschließt. Parallel dazu braucht es Fort- und Weiterbildung in palliativer Geriatrie mit dem Ziel, dass alle Betreuungspersonen geschult sind und Fortbildungspläne existieren, die die Nachhaltigkeit sichern. In diesem Zueinander von internem Prozess und Fortbildung entsteht eine hospizliche Kultur in den Heimen, Palliative Care wird konkret und kompetent umgesetzt. Zentrale Themen der Bearbeitung sind Schmerz als ganzheitliches Geschehen, Ethik, Rituale und spirituelle Begleitung. Anstatt Sterben als „Tabu“ zu sehen, soll Sterben in Würde in Pflegeheimen „erlaubt sein“. Dies erfordert neben Sensibilität und Mitgefühl vor allem einen offenen Umgang mit dem Thema und fachliche Kompetenz.
In einem Zeitraum von 16 Monaten wurde der Qualitätsentwicklungsprozess „Hospizpflege im Heim“ pilotartig in sieben Pflegeheimen in verschiedenen Regionen der Steiermark durchgeführt. Die Projektleitung lag in Händen von Monika Benigni vom Hospizverein Steiermark, fachlich wurde der Prozess von Magª Claudia Kapeller, den Schulungsleiterinnen für die Pflegeheime Dr. Monika Specht-Tomann und Karin Oblak, in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführerin des Hospizvereins Steiermark Mag. Sabine Janouschek begleitet.
Mit Urkunden ausgezeichnet wurden:
Pflegezentrum Bad Radkersburg – Träger Land Steiermark
Seniorenpark Oberaich - Träger Privat
Seniorenzentrum Bad Aussee – Träger Volkshilfe
Bezirkspensionistenheim Gleisdorf – Träger Sozialhilfeverband Weiz, Hausverband
Pflegewohnhaus St. Katharina Neumarkt – Träger Caritas
Senioren- und Pflegewohnhaus St. Lambrecht - Träger Caritas
Seniorenzentrum Geidorf - Träger GGZ





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