Landfrauentagung: SPUREN
Raum und Zeit – Kraft und Energie! In diesen vier Bereichen setzten kompetente Expertinnen und Experten mit viel Information und Fakten, verbunden mit Emotion, den Teilnehmerinnen der Landfrauentagung Spuren für einen gutes Jahr 2011.
ZEIT und RAUM
„Ein jeder hält sich an der Frau an“, hatte Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Eberhart sein Referat betitelt. Immer noch werden in der Landwirtschaft die Männer als die Entscheidungsträger gesehen und die Frauen als die „Arbeiterinnen“ – diese Sicht greift bei weitem zu kurz, denn mehr als ein Drittel der Betriebsführerinnen sind bereits Frauen, Tendenz steigend. Frauen sind auch in den landwirtschaftlichen Betrieben voll in die Entscheidungen eingebunden. Auch auf den bäuerlichen Betrieben allerdings wird erwartet, dass die Frauen – neben ihren Aufgaben – jederzeit auch bei den Arbeitsgebieten des Mannes mitarbeiten – umgekehrt bei der Hausarbeit: Hier funktioniert die Mitarbeit nach wie vor nicht reibungslos.
Die Spuren: Junge Bäuerinnen haben – genau wie junge Frauen aller anderen Berufssparten meist eine sehr gute Ausbildung und ein gutes Selbstbewusstsein.
O. Univ. Prof.in DIin Dr.in Gerlind Weber suchte nach Gründen für Abwanderungsbestrebungen junger Frauen im ländlichen Raum. Das Ergebnis einer Studie zeigte sehr deutlich, dass die Frage nach dem Arbeitsplatz – und hier auch nach de Arbeitsplatz des Partners – ein wesentlicher Punkt sei. Denn Frauen ziehen auf den Arbeitsplatz des Partners nach. Auch die Infrastruktur des Ortes spielt eine wesentliche Frage, so ist z.B. ein Cafe im Ort einer der Wünsche junger Frauen – denn nach wie vor gehen Frauen selten allein in ein Gasthaus, ein Cafe hingegen wird gerne auch alleine besucht. Grundsätzlich sind die Motive zu bleiben oder abzuwandern von Frauen mit und ohne Kinder sehr unterschiedlich.
Die Spuren: Eigeninitiativen für Frauentreffs sowie das Kontakthalten zu den abwandernden Frauen – aber auch Kontaktaufnehmen zu den zugezogenen setzen.
KRAFT und ENERGIE
Mag.a Margareta Dorner lieferte in ihrem Referat die Erklärung, was „Bildung“ mit „Kraft“ zu tun habe: nämlich "Lernen wofür? - um die eigenen Kräfte wirksam werden zu lassen...."
Bildung ist nicht nur Schule, Bildung ist viel mehr. Ressourcen wertzuschätzen gehört hier dazu genauso wie auch das Lernen aus der Vergangenheit. Jedes Lebensalter hat ein eigenes Verständnis und eigene Fähigkeiten des Lernens. Im Alter kann dieses Lernen ein verstehen des Lebens aus der Rückschau bedeuten.
Die Spuren: Neugierde wecken und Lust auf lebenslanges, lebensbegleitendes Lernen fördern!
DI Dr. Horst Jauschnegg konnte mit seinen Ausführungen zum Thema Energie viele Fragen beantworten. Erneuerbare Energie ist mit Sicherheit ein Feld, das jede und jeder von uns in den nächsten Jahren noch um vieles verstärkt in seine täglichen – und längerfristigen Überlegungen wird einfließen lassen müssen. Als Beispiel: Die stand by Modi aller elektrischen bzw. elektronischen Geräten aller Österreicherinnen und Österreicher benötigen ALLEIN das Kraftwerk Werndorf!
Die Spuren: so wie bei der Mülltrennung müssen wir auch bei der erneuerbaren Energie dem Beispiel der Kinder folgen!
Soziale Nachhaltigkeit
Mag. Dr. Franz Prettenthaler, M.Litt, erläuterte anhand einer Studie drastisch die Auswirkungen von Einkommen und sozialen Transfer-Leistungen auf das verfügbare Familieneinkommen. Es ist notwendig, dass es einen Ausgleich zwischen niedrigen und höheren/hohen Einkommen gibt. Die Schwellenbereiche müssten allerdings so gestaltet sein, dass ein „finanzielles Zurückfallen“ ausgeschlossen wird.
Die Spuren: Ein finanzieller Ausgleich ist notwendig gleichzeitig muss sich aber auch Leistungsbereitschaft weiterhin lohnen.
Unser HEUTE bestimmt unser MORGEN
Dir. Franz Tonner und Präs. Gerhard Wlodkowski betonten die Wichtigkeit der bäuerlichen Vertretung und die Wichtigkeit einer guten Energie- und Nahrungsmittelversorgung durch die bäuerlichen Betriebe. Vor allem für die bevorstehende Landwirtschaftskammerwahl (30. Jänner) betonten sowohl Präs. Wlodkowski als auch Dir. Tonner die Wichtigkeit der Wahlbeteiligung als auch die Wichtigkeit der Geschlossenheit. Ein Wermutstropfen sei, so betonten beide einhellig, dass weniger Frauen als gewünscht und erhofft auf den Listen des Bauernbundes zu finden seien.
Die Spuren: Geschlossen und kraftvoll auftreten kann man nur dann, wenn man eine starke Stimme hat. Mitbestimmen kann man nur dann, wenn man geschlossen auftritt und zur „rechten Zeit am rechten Ort“ ist.
Zusammenfassung der Tagung
Landesrätin und Landesleiterin Mag.ª Kristina Edlinger-Ploder zog aus den Referaten der beiden Tage ihre Schlussfolgerungen und versuchte, ihre Antworten auch aus politischer Sicht zu geben.
Die Spuren: es ist möglich, den Menschen die Wahrheit zuzumuten, man brauche nur den nötigen Mut dazu
Es ist möglich, Menschen die Eigenverantwortung zu übertragen – man müsse sie nur an ihre Eigenverantwortung erinnern bzw. sie dazu ermuntern
Es ist möglich, verantwortungsvoll für die Zukunft zu arbeiten – mit Konzepten, Visionen und einer klaren Zielvorgabe. Den Weg dahin dürfe man nicht festschreiben, denn es könne notwendig sein, den einen oder anderen Umweg zu gehen.
Landesbäuerin Kathi Zechner zeichnete in ihrem Schlusswort das Bild des Autofahrens:
Beim Autofahren sei es nötig, einen Blick in den Rückspiegel, in den Seitenspiegel und einen Schulterblick zu tun. Ohne natürlich den Blick nach vorne zu vernachlässigen. Auch für das tägliche Leben benötige man den Blick zurück, den Schulterblick, den Blick zur Seite vor allem aber den Blick nach vorne!
Die Abendgestaltung, wie immer unter der Verantwortung des Bauernbundes brachte ein kurzweiliges, buntes Programm: die Gruppe „Blue moon“ steuerte die Musik bei, der Wein kam vom Weingut Kögl, Rosemarie Rinnhofer und ihre Mutter Elisabeth Igl gewannen als „Generationenpreis“ einen Eintritt zum Bauernbundball 2011 – vor allem aber die Verlosung der 10 Jungbauernkalender brachte heitere, fast ausgelassene Stimmung bei den Damen.
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